Fanprodukte – Produkte von Fans? Für Fans?

Auf der letzten Con stolperte ich über Produkte, welche offensichtlich nicht offiziell lizensierte Produkte waren, sondern von einem Fan gefertigt worden waren. Die Qualität war super! Tolle Zeichnungen, gute Produkte, eigentlich echt cooles Zeugs. Nur: es waren keine Originalprodukte – also Produkte mit eigenen Charakteren – sondern Fanprodukte zu einer, von einem deutschen Verlag lizensierten, japanischen Mangaserie. Einer populären Mangaserie.

Was nun, sprach Zeus, bzw. dachte ich so bei mir.

Am Abend dann, nach Ende der Con, trafen sich in netter Runde noch einige Zeichnerinnen und wir Verlagsleute. Und irgendwie kamen wir auf das Thema Fanprodukte zu sprechen.

Und siehe da: Es kamen recht interessante Meinungen zur Sprache.

Gleich vorneweg: ich, als Verlagsperson, bin sowohl Geschäftsfrau, als auch Fan. Das heisst, ich sitze irgendwie zwischen den Stühlen. Als Geschäftsfrau schreit mein Inneres sofort auf, wenn es Fanprodukte sieht. „Copyright Verstoß!“; „Ideenklau!“; „Trittbrettfahrer!“ tost es bei mir durch meinen Kopf. Der Fan sitzt da und denkt sich: „Cool, endlich mal ein …. Produkt! Sowas wollte ich schon immer! Warum machen das die Verlage nicht? Jetzt kaufe ich’s halt so.“

Und wer gewinnt? Schwer zu sagen.

Wenn man es jetzt von der rein rechtlichen Seite aus sieht, dann ist jedes Fanprodukt, welches *zum Verkauf* angeboten wird, ein Verstoß gegen das Urheberrechtsgesetz. Denn der Fan, welche diese Produkte erstellt und verkauft, stiehlt im Prinzip die geistige und künstlerische Arbeit eines anderen und macht damit Umsatz. Ich rede nicht einmal von Profit, sondern rein vom Umsatz.

Da kommt zwar dann allerlei Argumente wie:

– in … (Japan/USA/Frankreich etc.) darf man das doch auch, da machen die Verlage keinen solchen Rabatz

– das merken die großen Verlage doch gar nicht

– das macht doch nix – die großen Verlage haben doch eh genügend Geld, da tut sowas doch nichts zur Sache

– ich mache doch keinen Profit damit

– die (grossen Verlage) sollen doch froh sein, dass es die Fanprodukte gibt, dann kaufen die Leute auch das Original

– usw.

Hm.

Alles interessante Argumente.

Aber…

Allesamt falsch.

Ja, in Japan ist man, was die Fanprodukte betrifft, recht entgegenkommend. Besonders bei Doujinshis. Aber das kommt aus der Tradition. Weil die Verlage damals, als die Doujinshiwelle anfing, nicht sofort durchgegriffen haben, können sie heute das Ganze nicht mehr stoppen – auch wenn sie’s eigentlich gerne täten. Und zum Teil sogar wieder tun. In den letzten Jahren gingen Verlage immer wieder gegen zu explizite Doujinshis vor, weil sie nicht wollten, dass ihre Originalserien derart „verhunzt“ wurden.

Und in den USA ist es eine Grauzone. Noch. Immer wieder kommt die Thematik zur Sprache und es wird sicher nicht mehr lange dauern, bevor es auch vor Gericht kommt. Man darf gespannt sein, wie die obersten Richter in den USA dann ultimativ das Thema regeln. Im Moment sieht es eher so aus, dass den Verlagen und Lizenznehmern Recht gegeben werden wird, denn das Thema Copyright wird in den USA schon recht ernst genommen.

„Das merken die doch nicht…“

Auch falsch. Die Welt ist klein geworden. Und die Welt der Mangas und Animes ist noch kleiner als der Rest. Man kennt sich. Man sieht sich. Verlage sind auf den Cons. Verlagsmitarbeiter sind als Besucher dort. Oder als Fans. Sie lesen die Foren. Sie wandern über Webseiten. Sie sind genauso aktiv wie reguläre Fans. Sieht man ihnen an, dass sie zu einem Verlag gehören? Nein. Außer sie tragen ein Namensschild. Irgendwann steht der oder die „Falsche“ als KundIn am Fanprodukte Stand. Und das Nächste ist dann ein nettes Schreiben vom Verlagsanwalt.

„Die haben doch eh genügend Geld…“

Nein. Nicht in der heutigen Zeit. Die meisten Verlage müssen sehen, wie sie zurecht kommen. Und für jede Lizenz, für jedes veröffentlichte Manga, ist viel, viel Geld im Voraus geflossen. Das muss erst mal verdient werden. Und von jedem Manga werden nicht nur der Lizenzgeber in Japan, sondern der Übersetzer, der Graphiker, die Mitarbeiter in Vertrieb und Versand, die Verpackungskosten, die Druckkosten, etc. bezahlt. Da bleibt nicht mehr viel übrig.

Nun überlegt, was es bedeutet, wenn Produkte zu einer Serie *nicht* vom Lizenznehmer gefertigt und verkauft werden…:

– der/die Künstler/in sieht keinen Cent von den Produkten – es sind aber seine/ihre Charaktere, und seine/ihre harte Arbeit

– der Lizenznehmer sieht keinen Cent von den Produkten – hat aber für die Lizenz viel Geld bezahlt, und gibt damit vielen Leuten Arbeit und Gehälter

„Ich mache doch keinen Profit damit…“

Jetzt mal Hand auf’s Herz: werden die Produkte *wirklich* zum Selbstkostenpreis verkauft? Wird ein Poster, das im Druck € 1,– gekostet hat, *wirklich* für € 1,– verkauft? Oder nicht doch für € 1,50? Oder vielleicht auch € 2,–? Weil man meint, dass die eigene Arbeit ja auch was kosten darf? Und was sind dann die € 0,50 oder € 1,–, welche da mehr übrig bleiben? Es ist Profit.

Kleine Auflage? Na und? Wenn 100 fanproduzierte Poster von einem lizensierten Motiv – sagen wir mal… BLEACH – für € 2,– Euro verkauft werden, und pro Poster macht der Fanproduzent € 1,– gut, dann sind das € 100,– welche *nicht* an den ursprünglichen Künstler gehen! Bzw. natürlich ein festgelegter Prozentsatz davon.

Nun denkt sich der Fanproduzent, oh, das lief so gut, da mache ich ein zweites Motiv, und vielleicht noch ein drittes, und noch ein paar Buttons, und ein Lesezeichen wäre auch nicht schlecht… Und schon summiert sich das Ganze zu einem netten Sümmchen. *VON DEM DER URSPRÜNGLICHE KÜNSTLER KEINEN CENT SIEHT!!!*

Nun muss dummerweise auch der ursprüngliche Künstler – bleiben wir mal beim Beispiel BLEACH, das wäre dann Tite Kubo – von irgendwas leben. Natürlich wird der Künstler für das Manga bezahlt – aber auch prozentual für alle *offiziellen* Produkte, welche zu der Serie erscheinen. Aber *NICHT* für fanproduzierte Produkte.

Jetzt sieht der eine Fan, was der andere macht und denkt sich: das kann ich auch. Und schon sind auf den Cons nicht mehr ein Fan mit Produkten, sondern 10. Und jeder verdient damit ein wenig Geld – vorbei am Künstler, und vorbei an den Verlagen/Lizenznehmern.

Ist das korrekt? Ist das fair? Ist das *ehrlich*? Ich meine, nein.

Und das Argument, dass Fanprodukte Werbung für die Originale sind, stimmt auch nur bedingt. Eine Fanfiction – kostenlos ins Netz gestellt – ja. So kam ich zu vielen meiner Lieblingsserien. Produkte, welche für Geld verkauft werden, nein.

Ich gebe zu, was die Veröffentlichungen meines Verlags betreffen, da würde ich gnadenlos reagieren wenn ich auf einer Con Fanprodukte unserer Geschichten und/oder Charaktere *zum Verkauf* finden würde. Nette Sachen, welche ihr Euch gegenseitig zeichnet, schreibt und schenkt – dagegen hat kein Verlag etwas. Aber damit Geld machen – damit habe ich ein Problem. Denn was mache ich dann mit *meinen* Verlagsprodukten? Für die die Künstlerinnen Prozente bekommen. In den Müll werfen? Weil ja am Fanstand nebenan nette Fanprodukte angeboten werden? Zu „meinen“ Veröffentlichungen?

Wohl kaum.

Mir ist klar, dass es zu dem Thema keine wirkliche Lösung gibt – ausser eine echt drakonische. Die Frage, welche sich Fanproduzenten stellen sollten ist die: wie sehr achte und ehre ich den ursprünglichen Künstler meiner Lieblingsserie? Genug, um dafür zu sorgen, dass er/sie auch in Zukunft für mich (als Fan) zeichnen kann? Das hiesse, ich verkaufe keine Produkte, dessen Ursprung bei jemand anders liegt. Ich würde ja auch nicht wollen, dass jemand *meine* Charaktere „klaut“ und damit Geld verdient, oder?

Und überhaupt: wer so gut zeichnen oder schreiben kann, dass Leute seine/ihre *Fan*produkte kaufen, der könnte doch sicher auch genauso tolle *eigene* Sachen machen, oder? ^____^