Doujinshis

(von „doujin“ – „gleiche Person“ und „shi“ – ein Zusammenzug von „zasshi“, was „Magazin“ bedeutet – also Magazine die von/für Personen gleichen Interesses gemacht sind)

Jeder hat sie schon mal gesehen, davon gehört, vielleicht sogar auf einer Convention in der Hand gehabt, oder ist schön länger eifriger Sammler. Und doch führen diese wunderbaren Produkte ein wenig ein Schattendasein auf dem Markt.

Denn eigentlich, ja eigentlich gibt es sie gar nicht. Oder dürfte es sie gar nicht geben. Denn genau genommen verstösst jedes einzelne Doujinshi gegen geltende Urheber- und Lizenzrechte. Weil jedoch der Doujinshi-Markt in Japan in der Zwischenzeit riesige Dimensionen angenommen hat (Auf der zweimal im Jahr stattfindenden Comiket in Tokyo werden auf ca. 81000 m² Tausende von Doujinshis im Wert von ca. 300 Mrd. Yen verkauft.), haben sich die Verlage und Lizenznehmer damit abgefunden. Zwar wird hin und wieder versucht, einzelnen Doujinshiserien Einhalt zu gebieten, doch im Großen und Ganzen kann man zu jeder Serie, zu jedem Manga und zu jedem Thema ein Doujinshi finden. Die japanischen Verlage sind jedoch zu der Einsicht gekommen, dass das rege Doujinshitreiben auch für ihre eigenen Serien gut sind, da oft neue Mangaleser oder Animefans auf dem Umweg über Doujinshis zu den legalen Produkten kommen.

Die oft sehr dünnen (manchmal nur 16 Seiten) Hefte werden in limitierter Auflage gedruckt. Dabei kommt die ganze Kreativität der japanischen Druckindustrie zum Tragen. Doujishis sind geprägt, lackiert, mit Metallfolie beschlagen, auf Glitzerfolie gedruckt, mit transparenten oder struktrierten Innenseiten und mehr. Manche Doujinshis sind schon alleine vom Druck her kleine Kostbarkeiten. Auch ihre geringe Auflage – oft nur maximal 1000 Stück – macht diese Magazine zu begehrten Sammlerstücken.

Entgegen landläufiger Meinung haben nicht alle Doujinshis einen sexuellen Inhalt, sondern beschäftigen sich – wie geschriebene Fanfiction auch – mit der Weitererzählung von schon bekannten Geschichten. Es gibt sogar ganze Doujinshiserien von renommierten Zeichnerzirkeln, welche später als Manga verlegt wurden – am bekanntesten sind hier CLAMP, Kouga Yun („Loveless“), Kazushi Hagiwara („Bastard!!“) oder Naono Boura. Auch bekannte Yaoi-Mangakas wie Ayano Yamane (Doujinshis zu „Slam Dunk“), Sanami Matoh (Doujinshis zu „One Piece“) oder Kodaka Kazuma (Doujinshis zu „Prince of Tennis“) haben als Doujinshi-ka angefangen.

Doujinshi-Einkauf in Japan gestaltet sich als besonders abenteuerlich und nicht nur, wenn man dazu zur Comiket geht. Ein Besuch auf der Comiket geht in erster Linie mit viel Geduld und Warten einher. Zu jeder „Ausgabe“ dieser Doujinshimesse kommen ca. eine halbe Million Menschen. An den Ständen besonders bekannter Doujinshi-ka bilden sich meist lange Schlangen und ein Durchkommen durch die engen Gänge ist oft kaum möglich. Es kann einem durchaus passieren, dass man ein oder zwei Stunden beim Lieblings-Doujinshi-ka angestanden hat, nur um dann zu hören, dass alles ausverkauft ist.  Und nachdrucken ist nicht – was weg ist, ist weg.

Wenn man dann Glück hat, dann haben die Doujinshi-ka kurz vor der Comiket noch ein paar Exemplare ihres neuesten Doujinshi an einzelne Spezialgeschäfte, so z.B. Mandarake, abgegeben und man kann sein Glück dann dort versuchen.

Handelt es sich um ältere Doujinshis, dann ist Suchen angesagt. Nicht etwa, dass die Doujinshis im Laden nach Zirkel oder Autoren, oder gar nach Titel sortiert wären, nein, man steht vor meterlangen Regalen in denen dicht an dich gedrängt Tausende von Doujinshis zu einer bestimmten *Serie* aufgereiht sind! Dann heisst es Standhaftigkeit und Geduld zeigen, während man Regal für Regal sich durch die ganzen Dinger durcharbeitet. Rausziehen, Cover anschauen, wieder reinschieben. Nächstes rausziehen, Cover anschauen, wieder reinschieben etc. Und am Besten, man weiss ganz genau, was man sucht, denn reinschauen ist nicht erlaubt. So kauft man denn auch durchaus mal die berühmte Katze im Sack: Ein Doujinshi welches statt Manga ein Novel ist – also Text statt Bilder enthält.

Preislich reichen Doujinshis von etwa 200 Yen (ca. € 1,65) bis zu 10.000 Yen (ca. € 80), manchmal auch bis zu 20.000 (ca. € 160) oder 50.000 (ca. € 400) je nach Rarität und Begehrtheit. (Ich selber jage im Moment hinter einem raren FFVII Doujinshi hinterher, kann mich aber noch nicht davon überzeugen, Yen 10.000 plus Porto dafür auf den Tisch zu legen – der momentane Preis… *schnüff*) Meistens jedoch liegen die neueren Ausgaben um die 1.000 – 2.500 Yen (€ 8 – € 20). Dies ist ein ganz üblicher Preis und wird von den Fans gerne bezahlt. Ganz billig sind nur die Doujinshis, welche sich als echte Ladenhüter erwiesen haben. Es wurde ausgerechnet, dass japanische Otakus ca. 15 % ihres Gesamtbudgets, welches sie für Anime und Manga Produkte ausgeben, für Doujinshis aufwenden.

Da populäre Serien oft erst wesentlich später zu uns kommen wird es schwierig, für diese Serien dann noch Doujinshis zu finden, denn in Japan ist ihre Zeit ja schon wieder vorbei und etwas ganz anderes „in“.

Doujinshis zu importieren ist durchaus nicht ohne Tücken. Da es keine ISBN-Nummern, keine Bestelllisten, keine direkten Bestellmöglichkeiten beim „Verlag“ (also den Doujinshikas) gibt, tut man sich oft schwer, bestimmte Zirkel, Titel oder Serien zu finden. Und da sie nicht, wie z.B. normale Bücher, über den Großhandel erhältlich sind, gibt es natürlich auch keine Buchhändlerrabatte. Auf den normalen Preis, den man auch als Händler zahlen muss, kommt dann noch Zoll und Porto. So sind Doujinshis immer etwas besonderes im Shop.

Wer jedoch, so wie wir, einfach unverbesserlicher Sammler von tollen Geschichten, genialen Zeichnungen und schönen Drucksachen ist, der kann an Doujinshis einfach nicht vorbei gehen.  ^___^

Mein momentanes Objekt der Begierde… ^__^;